Das Ding mit der Liebe

Die schönsten Glücksmomente während der Reha hatte ich im Wald. Die Natur in Oberfranken hat mich völlig geflasht – so eine Weite, soviel echter Wald, Berge (oder was ich dafür halte), Gesteinsformationen, Himmel, Dörfer, Felder und und und. Was ganz anderes als Berlin und Brandenburg!

Und wie ich da so voller Glück im Wald stand am Rand eines Abhangs und in die Ferne schaute, stieg da ein Gefühl in mir auf, dass mir sehr vertraut und doch schon so lange abwesend war.

Ich spürte Liebe – Liebe zu allem, was mich umgibt und umso tiefer ich dieses Gefühl zuließ, desto mehr füllte es mich aus und auf einmal war ich Liebe.

Als Kind habe ich mich bis ich etwa neun Jahre alt war, sehr oft so gefühlt. Ich liebte alles, jedes Tier, jedes Ding, jeden Menschen der meinen Weg kreuzte. Selbst die, die ich manchmal nicht mochte.

Und da war es wieder – 30 Jahre später in Oberfranken und hat mich völlig umgehauen. Mir war klar: das will ich in meinem Leben, so will ich durch das Leben gehen.

Wenn du so liebst, dann kannst du nicht verschlossen bleiben und so bemerkte ich schnell, wie sich meine Ausstrahlung änderte und ich mit Menschen in Kontakt kam, die ich sonst oder die mich gemieden hätten. Und alles wurde so viel einfacher – ich kann das gar nicht richtig beschreiben. Vielleicht am ehesten durch das, was dann nicht mehr ist. Ich ärgere mich nicht mehr über Busfahrer, Mitreisende, verspätete Züge, den Regen, die Sonne, die Autofahrer, den Kellner, den Mückenstich, den Spätdienst, das quengelnde Baby und und und. Alles darf sein und ich bleibe offen und zugewandt. Wenn ich den Blick eines Menschen auffange, dann lächle ich, wenn mir danach zumute ist – und das ist es meistens.

Wenn ich in diesem Gefühl verweile, dann fühle ich mich zufrieden und lebendig und dann geschehen an jedem Tag so viele kleine Wunder.

Natürlich gibt es Momente und Tage, da bin ich ganz woanders und ringe und kämpfe, aber immer wieder schaffe ich es, dahin zurück zu kehren. Das macht mich sehr dankbar.

Das ist es auch, was mich an den Bewegungen wie Fridays For Future und Extinction Rebellion so bewegt. Meines Erachtens geht es da nämlich nicht um Verstand und Kalkül, sondern um Liebe. Liebe zur Welt und allen Lebewesen und daher als eines der obersten Gebote Gewaltfreiheit im Handeln und Reden.

Das mag der absolute Hippie-Gedanke sein, aber ich bin der festen Überzeugung, dass, wenn wir einander mehr lieben und all die Dinge und Lebewesen, die uns umgeben, die Welt ein besserer Ort werden kann. Und zwar nicht nur unsere Familie, unsere Freunde, unsere Liebsten lieben, sondern mit der Liebe total verschwenderisch umzugehen und alles zu lieben, jederzeit und ohne Grund oder Bedingung.

Ich las eine Zen-Geschichte dazu:

Ein Hund hatte sich eines Tages beim Herumstreunen in einer Höhle mit vielen Gängen verirrt und befand sich plötzlich in einem großen Saal mit tausend Spiegeln. Wo er auch hinschaute, überall sieht er nur Hunde, nichts als Hunde. Erschrocken und voller Misstrauen sträubt er das Fell und weicht einige Schritte zurück. Da dies alle anderen Hunde in den tausend Spiegeln auch tun, beginnt er zu knurren, zieht die Lefzen hoch und zeigt wütend seine Zähne. Als er sich nun aber zu seinem Entsetzen dieser riesigen Zahl von wütenden Hunden gegenübersieht, gerät er in heillose Verwirrung. Er beginnt sich zornig im Kreise zu drehen, was die Hunde in den Spiegeln natürlich ebenfalls tun. Und so dreht er sich immer schneller und schneller, bis er plötzlich tot umfällt. Es stellt sich nun hier die Frage: Was wäre wohl geschehen, wenn dieser bedauernswerte Hund auch nur ein einziges Mal mit seinem Schwanz gewedelt hätte?

In dieser Geschichte ist soviel enthalten, was wir tagtäglich leben, ich zumindest immer wieder beobachte.

Ich sage nicht: liebt euch jetzt alle andauernd – aber geht doch so offen und liebevoll aufeinander zu, wie ihr könnt und gebt dem Raum, was da sein kann und möchte. Geht nicht mit steinerne Herzen durch die Welt, die sich nur erweichen, wenn das ausgewählte Haustier oder der eine besondere Mensch in die Nähe kommt. Habt den Mut, so offen zu sein, dass ihr jedem eure Liebe schenken könntet – seid Liebe!


3 Gedanken zu “Das Ding mit der Liebe

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