Altes mittenmang des Neuen #2

Ein Beitrag vom 24. Juli 2015; zum ersten Mal aufgeschrieben noch ein paar Jahre früher.

Ich schrieb ja, dass wegen innerer Umbaumaßnahmen nicht all zu viel Neues hier auf dem Blog erscheinen wird, aber ich alte Sachen heraus krame. Dieser Text passt hervorragend genau in diese Jetzt-Zeit, denn auf dem am Ende erwähnten Weg komme ich grade ein gutes Stück voran.

ICH SEHE DICH

Dies ist mein Körper, so haben sie es mir gesagt.

„Wo ist das Danjelchen“ – „Da!“

Damit meinten sie mich, das lernte ich. Oder nein, sie meinten diesen Körper, von dem sie sagen, er und ich, wir seien dasselbe. Und ich erkenn ihn auch wieder, wenn ich ihn im Spiegel seh. Was mach ich also, wenn ich mich immer wieder im Spiegel betrachte und mich frage, wo bin ich nur darin, wer bin ich?

„Wo ist die Mutti?“ – „Da!“

„Wo ist der Vati?“ – „Da!“

Das sind also meine Eltern. Es wird wohl so sein, sie sagten es mir und waren irgendwie auch immer schon da (ganz abgesehen davon, dass sie es dennoch nie waren). Und am Muttertag gratuliere ich meiner Mutter und danke ihr, dass sie mich geboren hat. Aber was hat sie denn geboren? Meinen Körper, in dem ich mich nicht finde? Oder mich, mein ich?

(Wo bist du nur? Wer bist du?)

Es ist sicher in einer Welt, wo sich eh kaum jemand auf den Weg macht, dem anderen zu begegnen, geschweige denn sich selbst. Aber kommt dann einer und meint wirklich mich und schält mich, wie Peer Gynt die Zwiebel, was bleibt dann? Wird er etwas finden unter all den Schichten? Kann er etwas finden, so lange ich noch suche?

Aber was ist, wenn es noch viel größer ist …

Er schält sie nicht die Zwiebel, er legt sie mir in die Hand, voll Vertrauen, dass ich finden werde, wo ich bisher nur irrend suchte. Bin ich mein Körper? Bin ich meine Eltern? Bin ich der, der mir die Zwiebel in die Hand legt? Oder gibt es da noch etwas, das wartet, schon so lange wartet darauf, dass ich es seh und in die Arme nehme?

Auf dem Weg dahin gibt es einen Spiegel, in dem ich mich immer wieder finden kann. Er liegt im offenbaren Verborgenem, in diesem anderen, der sagt: „Ich sehe dich“.

(Beitragsbild von hier)


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