DER BRIEF AN MEIN/ UNSER SCHULKIND – EMOTIONALTREUE MAMAGEDANKE

Neulich las ich diesen Beitrag von impression of life, der mich sehr bewegte!

Ich musste an meine eigene Schulzeit denken: die ersten zwei Schuljahr relativ glücklich in einer Grundschule – glücklich, weil die Freunde da waren und mich der Unterricht im Großen und Ganzen ungestört ließ. Danach zwei Jahre an der Schule mit besonderer Russischförderung –  das reine Grauen: Schulstress & Schulangst und damit schlechter werdende Noten und zerbröckelndes Selbstvertrauen. Anschließend ein Jahr Musikgymnasium: hier war nicht nur der Druck nochmal enorm gewachsen, auch der Kampf unter den Schülern war unfassbar hart und gemein. Jeder Tag war eine Qual und endlose Weinen und sich zurückziehen die Folge. Dann kam ich an einem Sommernachmittag auf den Schulhof einer Waldorfschule und war baff! Ich kannte bisher nur Betonflächen als Schulhof, hier herrschte ein abenteuerliches Chaos. Einige Schüler saßen schnatternd auf Stühlen und machten irgendwas mit Wolle, andere schlugen FlikFlaks auf dem Gelände. Die Atmosphäre war einfach anders – ohne das ich genauer sagen könnte, was und warum. Aber mein Entschluss war gefasst: hier wollte ich hin. Da ich ziemlich stur und entschlossen sein kann, überzeugte ich meine Eltern und besuchte nun von der sechsten bis zur zwölften Klasse die Waldorfschule. Für mich war das der reinste Segen. Nicht meine Leistung stand hier im Vordergrund, sonder ich, mein Wesen, mein Wollen, mein Sein. Die Schule hatte durchaus ihre schlechten Seiten – chaotische Zustände z.B. aber im Vergleich zu allem, was ich erlebt habe, fühlte ich mich hier angenommen und angekommen. Der Unterricht war vielfältig, es gab keine Angst vor schlechten Zensuren, unter den Schülern gab es keinen Leistungskampf und die Hausaufgaben waren immer schnell gemacht. Es war klar, dass keiner Sitzen bleibt und ein Großteil des Unterrichts bestand aus kulturellen Inhalten. Bis heute erinnere ich die Geschichten über Griechenland und Rom etc. die der Lehrer uns erzählte. Ich erinnre mich an das Bild vom Römischen Brunnen, welches ich während einer solche Erzählung malte… innerlich reich wurde ich hier!

Meine Töchter gehen auch auf Waldorfschulen und ich habe es keinen Augenblick bereut. Sie lieben ihre Schule, ihre Lehrer und einen Vorteil, den sie haben: sie müssen nie die Schule wechseln!

Wenn ich dann solche Berichte lese oder von anderen Eltern höre, wie schwer es für so viel Kinder ist, sie selbst zu sein und zu bleiben, nachdem sie in die Schule gehen, schmerzt mich das. Es ist so schmerzhaft mit zu erleben, wie das Glänzen in den Augen der Kinder verblasst und wie sie beginnen, sich wegzudrehen vom Erwachsenen / vom anderen, weil der Unsicherheit und Fremdheit bedeutet.

Ich las einmal ein Buch über die von Tolstoi gegründete Schule Jasnaja Poljana und eine Schule dieser Art steht mir immer als Ideal vor Augen.

Aber nun zum Beitrag selbst (Vielen Dank, dass du diese Gedanken mit uns teilst!):

„Liebes Wunschkind,

jetzt gehst du schon seit Wochen in die Schule und bist quasi ein großer Junge geworden. Täglich stellst Du Dich den Herausforderungen, bist mutig und tapfer und gehst deinen Weg. Auch wenn vor manchen Dingen die Angst in dir gewinnt, schaffst du deinen Tag trotzdem.

Ich weiß noch als wir zusammen auf der Couch lagen, Du als knapp 3 kg leichtes Knäuel. Unbeholfen, selig schliefst Du auf meinem Bauch. Ich hörte Dich atmen und überlegte wie es  später sein wird, erst der Kindergarten, dann die Schulzeit.

Ich verfiel in Träumerei und wünschte mir alles erdenklich Gute und Beste für Dich. Glücklich sein, Gelassenheit, Freude und Spass, ein starkes Selbstbewusstsein und jede Menge guter Freunde, vor allem Spass am Leben und im Kindergarten oder später in der Schulzeit. Wunschlos glücklich sein.

Nun stehst Du nach 6,5 Jahren vor mir. Ein jungen Mensch mit vielen Träumen in Kopf, emotional in sich und emotional offen für sein Umfeld. Ein junger Mensch der eine starke Bindung zu Freunden und Familie braucht, wie die Luft zu atmen. Der sehr tapfer ist, weltoffen und Anderen noch stark vertraut. Ein perfekter junger Mensch, mit leuchtenden Augen, der viel in der Welt, in seiner Welt, für die Welt erreichen kann. Ein Jemand der viel für die Gesellschaft tun kann und wichtig ist. Ein Mensch der seinen Weg gehen möchte, seine Gedanken behalten möchte und sein Leben gestalten möchte.

Aber ich sehe auch einen jungen Menschen der sich nach und nach verunsichern lässt, der vieles hört und es wegschiebt. Der seine Emotionen versucht zu verstecken. Einen jungen Menschen der merkt das Anders sein, nicht überall akzeptiert wird. …“

 

Bitte hier weiterlesen!

 

 

(Beitragsbild von hier)


2 Gedanken zu “DER BRIEF AN MEIN/ UNSER SCHULKIND – EMOTIONALTREUE MAMAGEDANKE

  1. Vielen Dank für das Teilen.
    Die Waldorfschule finde ich persönlich auch toll und schön, in der Nähe gibt es sogar einen Kindergarten.
    Leider ist mein Umfeld (Familie, Freunde und erweiteres Umfeld) sehr negativ auf diese Schulen eingestellt. Ein negatives Bild ist schwer aus den Menschen zu entfernen.
    Deswegen begrüsse ich es auch sehr, dass in der Nachbarstadt auf der weiterführenden Schule, eine Sekundarschule anstatt Realschule oder Hauptschule gibt /entstanden ist.
    Aber wir sind ja erstmal in der Grundschule und hoffen das Beste
    Liebste Grüsse
    Alex

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