RIGA – Tag 3

10:30 verließen wir die Wohnung und gingen mutig zur Bushaltestelle um die Ecke. Heute fahren wir mit den Verkehrsmitteln – so! Der Bus 40 kam dann auch prompt und ich stieg vorn ein, um beim Fahrer zu bezahlen. Als dieser meinen Versuch Fahrkarten zu kauen bemerkte, winkte er mich gleich forsch weiter. Ok, dann halt nicht!

Dabei fällt mir ein, dass ich letztes Mal vergass von der Verkäuferin zu erzählen! Ich bin ja von Deutschland dieses „Guten Tag“ und „Bitte. Danke!“ und „Das macht dann … €“ und „Ihnen einen schönen Tag“ gewöhnt. In Riga habe ich nur sehr selten Verkäufer und Käufer mit einander reden hören. Erst dachte ich, es liegt daran, dass ich kein Lettisch kann, aber so wie mich hat die Verkäuferin auch die vor und nach mir Kommenden behandelt. Und nicht nur sie. Ich habe ja die Angewohnheit, in manchen Augenblicken weg zu träumen. An Kassen passiert mir das regelmäßig. Ich glaub, wir standen knapp 5 Minuten einfach nur da: ich durch die Luft schauend, die Kassieren stumm mich anschauend und alle andern wartend. Dann checkte ich die Lage, bezahlte und wurde mit einem völlig ausdruckslosem Gesicht angeschaut. Fühlte sich fremd an!

Aber nun ja, zurück zum Bus. In dem saßen wir nun und fuhren eine knappe Stunde bis zur Endstation in Jugla. Als mir mein Bauchgefühl sagte, wir sollten aussteigen, hörte ich leider nicht richtig zu und so bogen wir von der Hauptstraße ab und fuhren durch eine dörfliche Gegend bis zu einem Busbahnhof im Nirgends. Es gab aber einen Super,parkt! Hier stillten wir erstmal Kaffeedurst und kleinen Hunger und ich bemühte mich in der Apotheke heraus zu bekommen, wie wir zu unserem Ziel kommen. Die erste Apothekerin bekam gleich einen leicht panischen Blick als ich sie auf Englisch anredete und verwies mich an die jüngere Kollegin. Nachdem diese noch 10 min. mit der Kundin vor mir beschäftigt war, konnte sie mir erklären, welche Busse ich nehmen soll, um zum Ziel zu gelangen. Als ich sie fragte, ob ich auch zu Fuss gehen kann, gab sie mir keine Antwort, sondern erklärte mir noch einen anderen Busweg. Sie war so nett, ich alles aufzuschreiben. Als ich dann noch einmal nach einem Fußweg fragte, ignorierte sie das wieder und fragte, ob ich alles verstanden habe und dass sie mir viel Glück wünsche. Beim Busbahnhof stellte sich heraus, dass der empfohlene Bus in 40 min. fährt. Für uns zu lang. Also zur Kartenverkäuferin, die erstaunlich gut Englisch sprach. Aber auch hier: immer wenn ich die Frage nach einem Weg zu Fuß stellte, wurde die einfach übergangen. ich kam mir wie in einem spooky Film vor, in dem sich alle verschworen haben, die Protagonistin zum Wahnsinn zu treiben. Also kaufte ich Fahrkarten und wir nahmen einfach den nächsten Bus, der in etwa in die richtige Richtung fuhr. Wir kamen an der schon bekannten Kreuzung an der Hauptstrasse an, stiegen um und fuhren noch eine Station weiter bis zu unserem Ziel:

Das Ethnologische Freiluftmuseum

Sofort war alles Hin und Her vergessen, als wir den Wald betraten. ich spürte, wie sehr ich Natur vermisst hatte und war sehr froh, dass wir hier her gefahren sind. Der Eintritt war etwas teuer als auf der Webseite angegeben, 7€ statt 4€ fürs Familienticket, aber für deutsche Verhältnisse immer noch lachhaft gering.

Anfangs schien es so, als wären wir die einzigen Menschen im Park. Am Wochenende zuvor hatte es hier eine Veranstaltung gegeben und die Reste konnte man noch sehen. Wir waren aber sehr zufrieden mit der Leere und Stille.

Foto 1

Das Museum bot mehr, als ich erwartet bzw. erhofft hatte. Wir liefen etwas mehr als 2 Stunden herum und brachen das Ganze dann nur auf Grund der Wetterverhältnisse ab. Es war so schön durch all die alten Häuser zu gehen. Die ganze Anlage ist gut durchdacht und wirklich schön und sinnig angelegt. es war wie ein Ausflug in eine vergangene Zeit.

Hier ein paar Eindrücke für euch:

Die Häuser liegen nach den verschiedenen Zeiten und Orten geordnet in kleinen Gruppen im Wald verteilt.

Die Gärten um die Häuser haben mir sehr gefallen und ich habe einige neue Methoden gelernt, wie man einen Zaun bauen kann.

Und ich war völlig hin und weg von den Inneneinrichtungen. Ich weiß, dass da Leben damals hart gewesen war und voller Unannehmlichkeiten. Dennoch fühle ich sofort eine Sehnsucht, wenn ich solche Räume sehe und möchte gern darin leben.

Sehr sinnig erdachte Arbeitshäuser.

Und wunderschöne Naturerlebnisse.

Sinnig erdachte Erfindungen, die teilweise sehr schön und in einem Fall auch sehr gruselig sind, wie z.B. die Holzklingel, die Wärme- und Lüftungsdämmung und die freischwingende Wiege, die Aufbewahrungsvorrichtung, der Trittstein, Ziehbrunnen und eine Art Pranger vor der Kirche.

Am schönsten fand ich den Teil, der am Rand des Waldes am Wasser lag! Traumhaft!!!

Als es dann anfing immer stärker zu regnen, machten wir uns auf den Heimweg. Dies ging nun etwas geschmeidiger und der Bus 40 fuhr uns zurück und setzte uns vor der Altstadt und zwar an der Gertrudes iela ab. Von dort liefen wir zum Raw Garden in der Skolas iela, das gestern zu hatte. Heute hatte es auf und wir bekamen sehr leckeres und preisgünstiges Essen. Es gab gepresste Säfte, Avocado-Burger und ein neu mit Suppe und einem Quinoa Gericht. Alles vegan und wirklich sehr lecker! Zum Nachtisch gab es dann süße Leckereien. Wir kauften auch noch Kekse für zu Hause ein.

Derart gesättigt ging es nun noch einmal zum Adidas Shop und ich zückte meine Kreditkarte und machte jedem meiner Liebsten ein Geschenk 😉 ! Es ist schnöder Konsum, kann aber durchaus auch glücklich machen, wenn andere sich so freuen! Es gab eine Sporttasche, eine Umhängetasche und ein paar Turnschuhe.

Schließlich schlenderten wir noch einmal über den langsam schließenden markt und fuhren dann mit dem Bus 40 nach Hause. Mein erneuter Versuch, Fahrkarten zu kaufen scheiterte wieder am völligen Desinteresse des Fahrers.

Zu Hause habe es dann eine Dokumentation auf ZDF und leckeres Abendbrot mit Keksen zum Nachtisch.

Dies war ein wirklich schöner und erfüllter Tag!

 

TIPPS FÜRS FAHREN MIT BUSSEN

Es interessiert anscheinend keinen, ob du eine Fahrkarte hast … mach dir nicht die Mühe, eine zu kaufen!

Schau dir vorher echt gut an, wo du aussteigen musst, mit welchem Bus es wohin geht etc. , denn: die Infos an den Haltestellen und im Bus helfen dir nicht wirklich weiter!

Nur weil es eine Haltestelle in die eine Richtung gibt, heißt das noch lange nicht, dass es gegenüber eine in die andere Richtung geben wird. Versuche es doch ein paar Strassen weiter … da ist sie dann auf einmal!!!

 

 


2 Gedanken zu “RIGA – Tag 3

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