1 Woche – 4 Städte: Ljubljana

Ich fuhr von Zagreb mit dem FlixBus in anderthalb Stunden für 9 Euro weiter.

Am Abend kam ich in der letzten Stadt meiner Reise an – Ljubljana.

Vor dieser Station der Reise hatte ich am meisten Respekt, da für mich Slowenien und Ljubljana am fremdesten waren. Ich wusste so gar nicht, was mich erwarten würde.

Umso beeindruckender war es für mich, mich schon nach wenigen Schritten, ein paar Minuten, so geflasht zu fühlen. Ich stand auf dem Hauptplatz, ein Mann spielte Saxophon, sein Hund jaulte dazu im Duett, neben mir die Kirche, vor mir floss die Ljubljanica unter den drei Brücken hindurch, die eigentlich eine sind, der Mond schien und oben auf dem Berg thronte die Burg.

Ich war sogar so sehr berührt von dieser Stimmung, dass mir die Tränen in die Augen stiegen. Diese besondere Stimmung empfand ich die ganze Zeit meines Aufenthalts über. Irgendetwas Ruhiges, Friedvolles und zugleich Leichtes und Lebendiges.

Ich suchte mir meinen Weg zum Hostel, für das ich für zwei Nächte 25 Euro zahlte und das war auf jeden Fall das schrägste auf meiner Tour. Man ging durch etwas, was an Büroräume erinnerte und kam dann in einen großen Raum mit Küche. Der Raum hatte Holzfussboden, eine Seite bestand aus dunklen Holzeinbauten, ein großer, dunkler Holztisch stand da und ein altes Ledersofa und ein alter Ohrensessel. Es lief leichter Jazz und gleich zu Beginn stand ein Holzschreibtisch mit Laptop drauf und das war die Rezeption.

Nach dem Einchecken kochte ich mir was zu Essen, kam in ein nettes Gespräch mit zwei Schweizerinnen und lauschte dann ihrem Gespräch mit einem Slowenen aus Maribor und erfuhr so viel über diese Stadt.

Ich hatte zwei Mitbewohner im Vierbettzimmer und die Nacht verlief ruhig. Am nächsten Morgen aß ich im Hostel Frühstück, welches hier im Preis inbegriffen war.

Und dann zog ich los. Schlenderte durch die Straßen, genoss die Sonne und war glücklich. Ich kaufte Postkarten und einen Magneten für meinen Kühlschrank und um 11 fand ich mich auf dem Platz vor der Kirche ein für eine Free City Tour. Die dauerte wieder zwei Stunden und da ich so gar nichts wusste über Slowenien und die Stadt war sie recht spannend. Zum Beispiel haben sie auf dem Platz eine Statue ihres Volksdichters stehen und keine von einem General oder so. Das liegt daran, so die Frau, die uns herumführte, das Slowenien eigentlich die meiste Zeit über unter Fremdherrschaft stand, erst die Römer, dann die Hunnen, dann die Habsburger und Italiener und so und dann Jugoslawien. Teilweise war das Land sogar in drei Teile geteilt. Das, was sie zusammenhielt, war die Sprache und daher wird hier ein Dichter verehrt, auch wenn er wohl meist betrunken war und als Vierzigjähriger Liebesgedichte an eine Sechszehnjährige schrieb, ohne aber erhört zu werden. Von dieser, Julia, gibt es auch eine Büste, die auf der anderen Seite des Platzes hängt und die er also auch jetzt nur anbeten, aber nicht erreichen kann.

Aber eine Stadt, die ihre Künstler mehr verehrt als ihre Kriegsherren, ist mir auf jeden Fall sympathisch.

Auch Gustav Mahler lebte drei Jahre in der Stadt und hat auch eine Statue bekommen.

Nach der Stadttour hatte ich Hunger und ging zu einem veganen Café. Nachdem ich mir hier den Bauch gründlich mit einem Shepards Pie, Kuchen und Kaffee vollgeschlagen hatte, erkundete ich die zwei Second Hands, die ich entdeckt hatte.

Und dann machte ich mich endlich an den Aufstieg zur Burg. Die Sonne begann unterzugehen und tauchte alles in goldenes Licht. Ich dachte an die goldene Stunde in Zagreb zurück und fühlte mich sehr reich mit all den Eindrücken der Reise in mir.

Der Weg zur Burg, man kann den wirklich gemütlich laufen, vor allem wenn man von der rechten Seite kommt und braucht die Seilbahn nicht, war so schön. Und oben wurde ich dann mit einem Blick zu den Bergen, dem Sonnenuntergang und dem Mond beglückt.

Viele Teile der eher modernen Burg kann man kostenfrei besichtigen, was ich auch tat. Danach setzte ich mich für einen Kaffee ins Museumscafe und schrieb Postkarten. Es war schon dunkel, als ich wieder bergab stieg, für Briefmarken zur Post ging und beim Spar für die morgige Abreise Reiseproviant kaufte. Am morgigen Tag jährte sich nämlich der Todestag des besagten Dichters und daher war es ein Feiertag.

Anschließend ging ich ins Hostel, kochte was zum Abendbrot und ließ den Abend ruhig ausklingen.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück zog ich wieder los und schlenderte am Fluss entlang und durch die alten Gassen. Ich ging in die Kirche am Platz und ins Rathaus, welches man sich anschauen kann.

2016 wurde Ljubljana zur Green City gekürt und ich fand die Stadt wirklich auffallend sauber. Sie haben ein sehr cleveres Müllsystem und durch die komplett autofreie Innenstadt fahren kostenfreie Taxis in Form von elektronischen Dingern, die eigentlich immer über den Golfplatz fahren.

Ich ging dann zum Stadtmuseum und dank des Feiertages gab es hier freien Eintritt. Es ist ein kleines feines Museum und es machte Spass, dort hindurch zu gehen und noch ein bisschen mehr über die Stadt zu erfahren. Anschließend ging ich ins Hostel und packte meine Sachen.

So bepackt zog ich weiter, ein letztes Mal durch die Altstadt und nochmal zur Drachenbrücke.

Diese ist ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Warum Ljubljana so drachenversessen ist, wird auf zwei Legenden zurückgeführt. Nach der einen soll Jason mit seinen Argonauten auf der Flucht, nachdem er das goldene Vlies geklaut hatte, hier vorbeigekommen sein und in dem See, der damals noch hier war, gegen einen Drachen gekämpft haben. Die andere Legende bezieht sich auf den heiligen Georg, der der Stadtpatron der Stadt ist und ja auch gegen einen Drachen kämpfte. Auf jeden Fall liebe ich diese Brücke mit ihren vier großen und sechzehn kleinen Drachen sehr.

Ich wanderte dann weiter etwas ziellos durch die Gegend und sah auf einmal ein Schild, das zum Ethnologischen Museum führte. Dem folgte ich und als ich dort eintraf, erwarte mich ein merkwürdiges Spektakel. Aus dem Museum kam gerade eine Parade, angeführt von jemanden in einer wohl slowenischen Tracht und dann kamen ein Akkordeonspieler, ein Trommler, zwei Pärchen in Trachten, zwei Pärchen als Bauern und dann wild aussehende Gestalten in Fell und mit Masken und einer Vielzahl an Glocken, die herrlichen Lärm machten. ich nehme mal an, dass das so eine Art Kulturentwicklung darstellen sollte. So zogen sie ums Museum und den Platz davor und es endete dann in einem Tanz und einer Rede.

Der Eintritt fürs Museum war heute auch hier frei und nachdem ich im Café einen Kaffee und einen Orangensaft getrunken hatte, schlenderte ich durch die Ausstellungen.

Die waren ganz nett anzusehen – mehr kann ich dazu leider nicht sagen, zumal das meiste nur auf slowenisch da stand. Aber ich habe einige interessante Sachen über das Schuhhandwerk und die Anbauweise der ersten Siedler in Slowenien erfahren.

Danach lief ich noch durch den gleich daneben liegenden Metelkova District, wo sehr viel Artkunst und eine alternative Szene zu sehen ist.

Die Zeit bis zur Abfahrt des Busses verbrachte ich essend im Loving Hut und im Bahnhof.

Damit endet diese Reise, aber ich werde in den nächsten Tagen bestimmt nochmal einen Rückblick dazu schreiben.

War von euch jemand schon mal in Ljubljana oder Slowenien?


3 Gedanken zu “1 Woche – 4 Städte: Ljubljana

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