Tagebuch vom lauten Grund #2

Erster Mittwoch

Liebes Tagebuch!

Wie unterschiedlich das Redebedürfnis der Menschen ist. Einige laufen geradezu aus und erzählen immer wieder das Selbe allen, denen sie begegnen. Es geht Ihnen scheinbar nicht darum, ein Gespräch zu führen, sondern vielleicht darum, ihre Eindrücke auf diesem Weg zu verarbeiten. Andere wiederum beginnen ein Gespräch, wenn man gemeinsam zufällig irgendwo ist, z.B. beim Warten oder beim Essen. Manche halten gut Stille aus, manche nicht. Ich mag es, zu schweigen und in Stille zu sein. Vielleicht auch, weil meine Arbeit alles andere als still ist. Vielleicht sind ja auch Menschen, die bei ihrer Arbeit wenig Möglichkeit zum Austausch haben, besonders begierig darauf, zu reden.

Wir sind hier alle in der gleichen Einrichtung und dennoch ist das Erlebte hier so individuell und das Bewerten bestimmter Dinge so unterschiedlich. Zum einen haben die Einen Glück und andere nicht. Ich habe ein Zimmer ganz oben mit Balkon und wunderbarer Aussicht. Andere haben ein Zimmer ganz unten, ohne Balkon und mit Blick auf dem Parkplatz. Ich hatte, bis auf die Mücken, eine erholsame Nacht. Bei anderen hat der Lautsprecher auf dem Zimmer Geräusche gemacht, so dass sie nicht schlafen konnten. Ohne unser Zutun werden wir eine ganz andere Zeit hier haben und ganz anders auf diese Zeit zurückblicken später. Der andere Unterschied sind die Vorerfahrungen und Erwartungen, mit denen wir hierher kommen. Ich war noch nie im Fitnessstudio und gehe selten schwimmen. Für mich ist es so ein Glück, hier die Geräte und das Schwimmbad kostenfrei und jederzeit benutzen zu können. Für andere, die vielleicht regelmäßig ein gut ausgestattetes Studio besuchen oder ein tolles Schwimmbad, sind die hier gegebenen Möglichkeiten Anlass zu meckern: die Geräte taugen nichts, viel zu wenige, das Schwimmbad ist viel zu klein, es gibt keine Düsen…

Ich habe auf ganzer Linie Glück. Und da für mich auch alles so neu ist, bin ich sehr zufrieden. Dadurch gehe ich dann wiederum auf neue Gegebenheiten, Begegnungen und Erfahrungen viel, positiver zu und erlebe dadurch diese auch wiederum positiver, da ich eher geneigt bin, auf das Schöne zu schauen. Ich bin dankbar.

„Unverhofft kommt oft!“ trifft für mich hier absolut zu. Ich hatte mich im Vorfeld darauf eingestellt, mich heir vegetarisch zu ernähren. Als ich nun heute beim Küchenpersonal etwas nachfragte, entstand ein Gespräch und bei diesem würde ich gefragt, ob ich mich den vegan ernähren sonst. Als ich bejahte, sagte die Frau, dass das ja gut sei zu wissen, dann können sie mir ab jetzt ja immer ein Essen veganisieren und ob ich auch Nachtisch und Kuchen wolle, fragte sie und dass ich zum Frühstück mir gern immer Pflanzenmilch und -joghurt holen kann. Auf dem Weg zu meinem Tisch kamen mit dann fast die Tränen. Wie schön es sich anfühlt, wenn man ernst und wichtig genommen wird und die eigenen Bedürfnisse wahrgenommen werden. Danke Universum und danke liebes Küchenpersonal! Es ist schön hier!

Was sich durch die pflanzenbasierte Ernährung bei mir geändert hat, ist unter anderem, dass ich inzwischen eigentlich alles an Gemüse und Obst esse. Früher war ich sehr mecklig und habe auf dem Teller aussortiert. Darüber musste ich nachdenken, als ich sah, wieviel Essen die Menschen hier wegwerfen nur aus dem Grund, dass es ihnen nicht so schmeckt – scheint mir. Der eine isst die Oliven nicht, der andere keine Erbsen und wieder ein anderer wirft sein ganzen Mittagessen weg, von dem er nur ein paar Bissen probierte. Und so sehr ich ja für Individualismus und Freiheit des Einzelnen bin, so sehr schmerzt es mich, das zu sehen. Ich glaube, ich würde inzwischen eher viel Zeit darauf verwenden, am Büfett nur die Sachen herauszusuchen, die ich auch essen will oder aber mal was essen,w as mit nicht hundertprozentig schmeckt, vor allem, da die Portionen hier nicht riesig sind. Gerade bei den Mahlzeiten hier bemerke ich, wie viel verschiedene Menschen aus völlig unterschiedlichen Lebenszusammenhängen hier aufeinander treffen.

Heute

6:00 Aufstehen

7:00 Flüssigkeiten abgeben und abnehmen lassen

7:30 Frühstück

8:00 Bewegungsgruppe mit Informationen zu allen Bewegungsangeboten hier

Pause – Anmelden zum Trommelabend, zu Nordic Walking und zu BAX, puzzeln

9:30 Functional Training

Pause – lesen, schreiben, puzzeln und Musik

11:45 Mittagessen

Pause – lesen und schlafen

13:40 Massage

Freizeit – Waldspaziergang, schwimmen gehen, lesen, puzzeln

17:30 Abendbrot

Freizeit – lesen, puzzeln, Plan für morgen schreiben, Film schauen

22:30 schlafen


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