1 Woche – 4 Städte: Prag

Ich hatte mich im November letzten Jahres für eine Woche Urlaub Anfang Februar eingetragen, ohne einen Plan zu haben, was ich da machen sollte. Und auch wenn der Gedanke an meinen Keller und das Chaos dadrinnen, ein zu Hause bleiben durchaus gerechtfertigt hätte, wollte ich losziehen. Und dann hatte ich einen verrückten Gedanken: ich kann doch einfach in so viele Städte, wie möglich reisen. Spaßeshalber begann ich damit, eine Route auszusuchen. Irgendwann ging ich dann mit mehr Ernst an die Suche und fing an, Busfahrten rauszusuchen und Hostels auszukundschaften. Und dann kam der Moment, an dem ich alle Bälle, die ich hochgeworfen hatte, wieder auffing und Busfahrten und Übernachtungen buchte.

Das war schon aufregend. Die Zeit danach und also vor dem Losfahren war auch aufregend, weil ich die ganze Zeit dachte: Ach herrje, was haste denn da gemacht…

Und dann kam der Tag und ich setzte mich in den ersten Bus und konnte gar nicht glauben, dass es jetzt wirklich losgehen sollte.

Der erste Bus brachte mich von Berlin nach Prag in viereinhalb Stunden Fahrt und für 18,90 Euro.

In Prag angekommen, lief ich erstmal zum Hostel, dem Safestay, zehn Minuten von der Karlsbrücke entfernt und legte meine Sachen ab.

Als ich vom Bahnhof aus loslief, fühlte ich mich etwas einsam und dachte schon, dass das doch irgendwie eine ziemlich blöde Idee war, so ganz allein los zu ziehen. Aber kaum betrat ich die Altstadt, ging mein Herz auf und ich war glücklich und dankbar, hier sein zu dürfen und das alles sehen zu können.

Für zwei Stunden zog ich dann durch Prag, verweilte auf dem Marktplatz, lief durch die Gassen, immer der Nase nach.

Dann kehrte ich bei Forky ein, wo ich ja schon in Brno sehr gute Erfahrungen gemacht hatte. Danach ging ich dann wegen des einsetzenden Regens wieder ins Hostel, trank da noch ein Bier und ging relativ früh zu Bett. Das Zimmer teilte ich mir mit vier anderen Frauen, die kamen, wenn ich schlief und schliefen, wenn ich ging.

Am nächsten Morgen ging es dann 10:45 Uhr wieder los durch die Stadt. Erst in ein Café, in dem es Latte mit Pflanzenmilch gab und dann endlich über die Karlsbrücke.

Ich schlenderte kreuz und quer durch die Kleinseite und schließlich hoch zur Burg. Hier kam ich genau zur Wachablösung an und schaute diesem merkwürdigen Brauch dann in Gänze zu. Aber die Blasmusik, die dazu live aus den Fenstern heraus gespielt wurde, gefiel mir sehr gut.

In einem Souvenirshop kaufte ich Postkarten und einen Magneten für meinen Kühlschrank, weil ich plötzlich dachte, dass das bestimmt schön wäre, wenn ich dann dort von jeder Stadt einen hängen hätte.

Dann ging es wieder bergab und zu einem veganem Restaurant, das traditionell tschechisches Essen serviert. Im Vegan‘s Prague aß ich dann also ein ‚Gulasch‘ und trank Ingwertee.

Dann ging es zum Kafkahaus. Die Große hatte mir als Challenge drei Aufgaben gegeben: 1. Finde den nackten Mann beim Kakfahaus – habe ich leider nicht gefunden… 2. Finde den Brunnen, in den zwei nackte Männer pinkeln (und trink vom Wasser des Lebens) – habe ich gefunden, aber mich nicht getraut, meine Hand unter den Strahl zu halten, weil so viele Menschen herumstanden und ich mir dachte, dass das dann doch vielleicht ein bisschen krass wirken könnte. Das sind so Sachen, wo ich merke, dass ich so allein unterwegs zurückhaltender bin, als ich es zu zweit oder so wäre. 3. Stelle dich auf eine leere Kreuzung und höre den Taktaktak der Ampeln zu – da die Große garantiert zu anderen Zeiten in der Stadt als ich unterwegs war, stellte sich mir das Problem des Verkehrs noch. Auch hatte es mittlerweile angefangen zu regnen und daher wurde alles Tak verschluckt. Aber ich stellte mich neben eine Ampel an den Rand einer Kreuzung und versuchte mir vorzustellen,wie es wäre…

Ich lief dann einmal quer durch die Stadt und zum Stadtmuseum. Ich war froh, als ich endlich im Warmen und Trockenem angekommen war und zog gemütlich durch die Ausstellungsräume. Es waren ein paar ganz schöne Sachen zu sehen und vor allem der Nachbau der Stadt Prag aus Papier und Holz aus dem Jahre 18weißichwas war beeindruckend.

Am nachhaltigsten beschäftigte mich aber der Ausstellungsraum über die Zeit von 1939 bis 1989. Die Zusammenhänge zwischen dem Tod des Studenten Jan Opletal, der nach Verletzungen, die ihm durch die deutsche Polizei bei der Demonstration zum Jahrestag der Gründung der Tschechoslowakei am 28. Oktober 1939 zugefügt worden war, am 11. November 1939 starb und dem Studenten Jan Palach, der sich am 16. Januar 1969 auf dem Wenzelplatz selbst verbrannte, als Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings und am 19. Januar dann seinen Verletzungen erlag sowie den Ereignissen in Prag in den Jahren 1988 und 1989, in der unter anderem die Tode dieser beiden jungen Männer mit Antrieb gaben, das Ende des Sozialismus einzuläuten. Wie verbunden doch die Ereignisse der Geschichte sind und wie selten wir diese Verbundenheit durchschauen. Und wieviel Hoffnung können wir dahinein setzen, dass auch unsere jetzige Taten vielleicht einmal Auswirkungen haben können, die größer sind als es jetzt vermuten lässt.

Mit diesen Gedanken im Sinn ging ich wieder durch die Stadt zurück und setzte mich in einem Einkaufscenter ins Loving Hut, welches ich schon aus Hannover kannte.

Anschließend ging ich zur Astronomischen Uhr am Rathaus und wartete auf das Glockenspiel. Da es noch zehn Minuten Zeit war bis dahin, versuchte ich die Uhr per Wikipediaeintrag zu verstehen… naja.. das klappte so mäßig. Aber als es dann losging, gefiel mir besonders das Skelett mit der Glocke sehr gut.

Dann ging es ein letztes Mal auf die Karlsbrücke und schließlich zurück ins Hostel. Für zwei Nächte hier bezahle ich übrigens 24 Euro. Wie es so ist, kann ich gar nicht sagen, da es mein erster Besuch eines Hostels ist, aber ich würde es mal als ganz ok einstufen…

Der erste Teil des Experiments: Ich reise allein umher, ist also als völlig gelungen anzusehen. Prag ist wunderschön und ich nehme viele beeindruckende Erinnerungen mit.

Irgendwann war ich übrigens schon mal hier. Aber ich weiß weder wann, noch mit wem… erinnere nur die Karlsbrücke, einen Angler, der an einem runden Gulliloch sitzt und die Uhr.

Naja, jetzt habe ich, während ich an die 37.200 Schritte durch Prag gelaufen bin, neue Erinnerungen bekommen und die nächste Stadt kann kommen.

Was verbindet ihr für Erinnerungen mit Prag?


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s