Zwei Tage im November

1. TAG – SONNTAG

Seit Dienstag ging es mir nicht so gut – körperlich und seelisch. Bis Freitag hatte sich das dann wirklich ins Furchtbare gesteigert und dann zum einen, weil halt irgendwann der Tiefpunkt erreicht ist und zum anderen, weil die beste Freundin trotz krankem Kind an ihrer Seite, sich die Zeit nahm, mir zu zuhören und mir Wege aufzuzeigen und einfach da war und mich durchs Telefon in den Arm nahm, ging es langsam, ganz langsam besser.

Heute am Sonntag ist nun der erste Tag seither, an dem ich nicht schon völlig verzweifelt aufwache. Aber das Ganze ist sehr fragil, das spüre ich. Damit ich nicht wieder hinein rutsche in das dunkle Loch, will ich heute so achtsam, wie es mir möglich ist, sein. Blog schreiben hilft dabei – daher nehme ich euch heute mit, als Aufpasser quasi…

Seit einiger Zeit mache ich immer mal wieder Meditationen. Eigentlich hatte ich immer einen inneren Widerwillen gegen sowas, aber auch das hat sich mit der Reha eher in Neugier gewandelt. Eigentlich mag ich am liebsten die ungeführten Mediationen, bei denen ich mich einfach ruhig hinsetzte und still werde. Heute aber ist es immer noch viel zu laut und zu negativ in mir und ich lasse mich durch eine Mediation auf YouTube führen. Ich habe da nichts bestimmtes, sondern suche mir einfach auf gut Glück was raus und habe dann meistens auch Glück damit.

Also meditierte ich zwanzig Minuten lang.

Dann begann ich meine Fotos von Essen der letzten Zeit zusammen zu suchen, um einen neuen Tagesmahl – Beitrag zu erstellen und schrieb nebenher mit Bruder und Freundin.

Die Uhrzeit jetzt: kurz nach halb elf = ich habe Hunger!

Während ich für die Mitbewohnerin und mich einen Bagel zubereite, lüfte ich. Frische Luft und viel Wasser trinken ist eine nicht zu unterschätzende Hilfe, damit es einen wieder besser geht!

Dann esse ich meine Hälfte des Bagels und schau dabei den Film zu Ende, den ich gestern Nacht begann.

Wenn es mir nicht gut geht, schaue ich am liebsten Action und Fantasy Filme – die lenken gut ab…

Als der Film zu Ende war, schreibe ich einen Blogbeitrag. Da ich die Woche krankgeschrieben bin, hatte ich Zeit für ein paar Beiträge und überhaupt merke ich, dass es mir gut tut, mich mit dem Blog zu beschäftigen. Das ist doch etwas, was ich ganz allein geschaffen habe und was ich gut finde und hinter dem ich stehe. So etwas zu haben, kann helfen in den Momenten, wenn alles irgendwie nicht gut erscheint.

Jetzt ist es kurz nach eins und ich werde wohl mal Yoga machen. Ich weiß, dass Yoga mir in vielem hilft, sowohl körperlich als auch seelisch geht es mir danach meist gut. Leider kann ich in diesen Momenten, in denen es mir richtig dreckig geht, kein Weg dahin finden, mich auf die Matte zu stellen. Aber wenn dann das Schlimmste überstanden ist und ein Silberstreif am Horizont zu sehen ist, dann hilft mir Yoga dabei, auf diesen weiter zu zu gehen und nicht wieder ins Schwarze Loch abzustürzen.

Ganz passend hat Adrienne von Yoga with Adrienne heute ein neues Video hochgeladen.

Danach gehts erstmal wieder ins Bett – alles ganz langsam machen und mir Zeit geben ist die Devise. Ich schau zur Zeit sehr gerne völlig sinnlose Adventskalender-Auspack-Videos bei YouTube.

Dabei werd ich vom Kater unterstützt, der immer wenn es mir nicht gut geht, so süß und schnuffig zu mir ist!

Dann schau ich noch ein bisschen bei Instagram und Facebook und WhatsApp rein. Da muss ich immer aufpassen bei den Zeiten, an denen es mir nicht so gut geht. Zu schnell komm ich in das Vergleichen rein und werde noch deprimierter, weil alle anderen Leben, die man da so um die Ohren geschmissen bekommt, gefühlt viel schöner und erfüllter als meines gerade aussehen. Daher in kleinen Dosen oder gar nicht…

Wenn es mir gut geht, dann wirkt das Ganze eher unterstützend und inspirierend. Naja Social Media halt – ein zweischneidiges, scharfes und schnelles Schwert.

Es ist jetzt viertel nach zwei und ich werd mal für ne Weile das Bett verlassen.

Das, was mir mit am schwersten fällt, wenn es mir nicht gut geht, ist, mich um mich selbst zu kümmern – also Körperpflege, es sich gemütlich machen, essen, trinken …

Umso wichtiger ist es, mich dennoch aufzuraffen. An den ganz schlimmen Tagen geht das gar nicht, aber an denen, wo es beginnt langsam besser zu werden…

Also ab unter die Dusche. Und wenn es nur kurz ist und ich danach gleich wieder ins Bett gehe, egal. Meistens folgen dann aber auf diesen ersten Schritt all die andern kleinen.

Das benutze ich grad zum Duschen – hat die Jüngste mal geschenkt bekommen und nicht benutzt.
Für mich das perfekte Match nach wie vor: Bambuszahnbürste und Zahnputztabletten
Und die drei kommen zur Zeit regelmäßig zum Einsatz

Auch wichtig an solchen Tagen: sich anziehen auch wenns keinen Grund gibt und man den ganzen Tag auch in den Schlafklamotten bleiben könnte.

Und dann: es sich gemütlich machen, was erstmal aufräumen heisst.

Ich koche was aus Kürbis, Mohrrüben und Brokkoli samt Reis und verspeise das dann während ich der Mitbewohnerin bei den Hausaufgaben helfe.

Zeit: Fünf Uhr.

Ich bastele den Adventskalender für meine Freundin zu Ende. Das viele Adventskalendervideos schauen hat mir nämlich Lust gemacht, welche zu basteln. Ursprünglich sollten es fünf werden – zwei habe ich fertig bekommen.

Gleich gehts los mich mit eben dieser Freundin treffen. Diese Menschen in meinem Leben zu haben, die trotz krankem Kind oder trotz eigentlich am Wochenende verreist sein für mich da sind, macht mich sehr dankbar und hilft aus dieser blöden Stimmung und dem Einsamkeitsgefühl etwas heraus. Danke an euch, falls ihr das hier lest.

Einer meiner Freunde schrieb mir, dass er sich für mich wünscht, dass es mir unabhängig von irgendjemanden gut geht und recht hat er damit – aber auch unrecht.

Am Samstag durfte ich ein Gedicht von Günter Kunert hören, das heisst Vorschlag und darin lautet ein Zeile:

„Wie will heim zu sich selber finden, der ohne Weggenossen?“

Manchmal braucht es einfach die Menschen um dich her, die dir Liebe geben und Wärme, damit man wieder auf den Weg zu sich selbst kommt. Manchmal ist man abhängig von der Hilfe der anderen und dann wieder ist man gross und frei und dann wieder der, der jemand anderem helfen kann. Das bedeutet es doch auch Mensch zu sein und zu lieben, oder?

Bevor ich dann losgehe, um mich mit meiner Freundin zu treffen, schiebe ich noch schnell ein paar Löffel Eis in mich rein.

Dann geht es los – mit U3 und U2 bis zum Senefelder Platz und von dort zu Fuß in „Unsre Kneipe“.

Hier treffe ich meine Freundin und bei Bier, Wein, einem Snack und Zigaretten quatschen wir halb einse.

Dann geht es leicht angesäuselt wieder nach Hause.

Das gestaltet sich dann aber doch kurz abenteuerlich. Ab Spichernstrasse stellt die U3 dann ihren Betrieb ein und weiter soll es mit dem Nachtbus gehen. Hier treffe ich auf zwei Herren, von denen einer in meine Richtung will und sich ein Uber ruft. Ich steige mit ein und für die kurze gemeinsame Fahrt entwickelt sich ein Gespräch über unsere Kinder, bei dem er ziemlich direkte Fragen stellt. Ich denk noch: spannender Typ, da steh ich schon wieder draußen und mach mich auf den Weg zu meiner Wohnung.

Zu Hause empfängt mich der Kater und ich nasch nochmal vom Essen aus der Pfanne, bevor ich mit Netflix ins Bett gehe.

Zeit: fast viertel vor zwei oder fast Dreiviertel zwei.

Gute Nacht!

2. TAG – MONTAG

Ich war öfter wach in der Nacht, was irgendwie nicht zu einem erholsamen Schlaf verhilft, aber zumindest hatte ich beim Aufwachen keine traurigen Gedanken in mir, wie in den letzten Tagen, sondern Vorfreude auf Israel!

Da fliege ich nämlich morgen früh hin – nach Jerusalem für ein paar Tage.

Heute werden also lauter Reisevorbereitungen anstehen: Packen, aufräumen, einkaufen, Filme runterladen usw.

Und mit letzterem beginne ich gleich nach dem richtigen Aufwachen um halb zehn.

Dann verbringe ich ein bisschen Zeit auf Facebook und WhatsApp und entscheide mich schließlich, wieder zu meditieren.

Zwanzig Minuten geführte Meditation am Morgen tun mir anscheinend sehr gut. Meditiert ihr? Habt ihr geführte Meditationen, die ihr besonders mögt?

Ich bin noch nicht bereit, das Bett für heute zu verlassen, aber bereit für die Nahrungsaufnahme. Also mache ich mir einen Haferbrei und geh damit wieder ins Bett und schau den Film zu Ende, den ich gestern noch beim Einschlafen begann.

Zeit: kurz vor eins = Zeit zum Aufstehen!

Ich wasch mir meine Haare und mach mich im Bad fertig, wobei ich auch gleich alle Sachen für die Reise zusammen suche.

Seit meine Haare wieder etwas länger sind, benutze ich dieses feste Shampoo, welches mir meine Freundin schenkte und bin sehr zufrieden

Dann ging es gleich weiter mit Sachen packen und ich fotografierte auch alles für den obligatorischen Blogbeitrag „Ich packe meinen Koffer und nehme mit…“.

Den schrieb und plante ich dann auch sogleich.

Und jetzt ist es wieder Zeit für Yoga – bin mal gespannt wie lange das anhält, das regelmäßig zu machen!

Dann zieh ich mich endlich mal richtig an und wärme mir die Reste von gestern auf. Und wie soll es anders sein, verspeise ich dann diese bei Netflix aufm Bett.

Um halb vier mache ich mich dann nochmal auf den Weg zum Schloss und kaufe bei DM die Wünsche der Gastgeber, Klopapier und für mich ein paar Riegel ein. Bei der BioCompany kommen dann noch Bananen und Tüten-Tomatensuppen für das Überleben der Mitbewohnerin, wenn ich weg bin mit und bei Thalia kaufe ich noch Mitbringsel für die Gastgeberkinder.

Die Konsumgesellschaft ist schon voll auf Weihnachten ausgerichtet. Ich komm da gar nicht so hinterher und habe noch volle Herbstgedanken.

Heute ist aber auch ein endlos grauer Tag gewesen, dennoch bin ich endlich wieder froh in und mit mir und hab ein Lächeln auf den Lippen.

Als ich aus dem Schloss komme, ist es dunkel. Während ich nach Hause laufe, habe ich zwei Sätze aus dem Yogavideo in meinem Kopf und murmele sie mehrmals vor mich hin:

I choose to speak my truth openly and freely!

I choose to trust the process!

Kurz vor fünf bin ich dann wieder zu Hause und räume das Eingekaufte weg.

Jetzt müsste ich eigentlich das Bastelzimmer aufräumen, habe aber absolut keine Lust.

Also sortiere ich erstmal die Fotos vom Handy, damit ich Platz für die Reise habe.

Dann schaue ich noch Operation Finale, was echt ein toller Film ist, auf Netflix zu Ende und tata! mache mich ans Aufräumen.

Das ist dann mal wieder so typisch gewesen: zwei Stunden prokrastinieren wegen einer halben Stunde aufräumen. Beim Aufräumen höre ich Musik – da bin ich nämlich auch grad am aufräumen und werfe alle Lieder, die ich nicht wirklich gerne höre, raus.

Jetzt steht nur noch Essen für morgen vorbereiten und Müll rausbringen dran, aber hey – ich hab grad ne halbe Stunde aufgeräumt und brauch ne Pause. Ich tu mich am Wein gütlich, damit er mir die Bettschwere verschafft, die ich brauche, um vor 12 einzuschlafen.

Und dann schmiere ich Brote für morgen und gleich fürs Abendbrot im Bett und bring brav den Müll raus.

Der Kater hat anscheinend genug geschlafen für den Augenblick und jault mich vorwurfsvoll an. Als erbarme ich mich seiner und spiele mit ihm und jag ihn durch alle Räume.

Und dann ist Bettzeit angesagt, bzw. gleich noch quatschten mit der Mitbewohnerin, wenn sie nach Hause kommt und große Verabschiedung und dann essen, Film schauen, Bett-Yoga und/oder Meditation machen und hoffentlich schlafen können! Morgen klingelt kurz vor vier der Wecker…


2 Gedanken zu “Zwei Tage im November

  1. Ja, Social Media kann wirklich anstrengend sein und die Zeit ist furchtbar schnell weg und damit ebenfalls wichtige Energie. Ich hoffe, du bist bald wieder ganz gesund und Israel war sicher seeeehr aufregend. Bin gespannt, was du darüber erzählst!

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