Ein Tag im September

Hier war es ja eine Weile eher ruhig und ich habe von einem inneren Umbau gesprochen. Der findet auch noch immer statt (als ob der jemals enden würde), aber ich habe wieder Lust bekommen, hier zu schreiben.

Nun ist es gar nicht so einfach, die Dinge, die mich beschäftigten, hier zu zeigen, ohne zu sehr in mein oder das Private anderer Menschen zu gehen. Aber weil sich in den letzten Monaten für mich gefühlt alles verändert hat, will ich es hier auch einfließen lassen bzw. wird es unweigerlich hier einfließen. Na und da dachte ich bei mir, dass das Flog-Format vielleicht am Besten dafür geeignet ist, einen ersten kleinen Einblick zu gewähren. Vielleicht krieg ich es dann ja auch noch gebacken, zu den Themen, die eventuell auch über das Private hinaus interessant sind, etwas zu posten. We’ll see!

Da ich das ja mit den zwei Tagen in der letzten Zeit nicht wirklich durchgehalten habe, versuche ich es mal mit einem Tag und das war ein:

SAMSTAG IM SEPTEMBER

Der Wecker weckte mich zielsicher um sieben und der Kater stand auch schon auf Habachtstellung bereit. Seit neuestem habe ich das sehr große Bett für mich allein – das macht es nicht gerade einfacher mit dem Aufstehen, da ich nun viel Platz habe, um mich von der einen Seite auf die andere zu drehen und sich keiner am wiederholten Weckerklingeln stört. Aber irgendwann klappte es dann mit dem Aufstehen. Ab ins Bad und schnell frisch gemacht.

Ich benutze nach wie vor diese Holzzahnbürsten und habe meine Liebe zu Zahnputztabletten oder wie die heißen entdeckt. Kein Geschmiere, kein Müll und platzsparend zu transportieren! Meine neue Gesichtscreme gefällt mir auch und zudem ist sie bis auf den Deckel aus Glas. Mit dem Deo werd ich leider nicht warm, da es bröckelt und echt umständlich zu benutzen ist. Die Pluspunkte: es riecht gut und kommt ohne Plastik daher. Aber da muss ich noch was anderes finden – vielleicht selbst machen…

Nach der Reha habe ich meine Klamotten nochmal ziemlich aussortiert, aber auch schon vor der Reha und danach neue gekauft. Neulich hab ich seit Jahren mal wieder einen Rock angehabt und das fühlte sich sehr schön an.

Ich hatte einen kleinen Wochenendtrip geplant und packte mir daher Klamotten, Essen und noch so einiges an Kram ein. Und meine neue Gitarre nahm ich mit. Viel zu lange habe ich nicht mehr Gitarre gespielt und viel zu lange vergessen, dass ich auch mit mir selbst musizieren und Lieder schreiben kann. Als ich neulich zur Mittagspause auf dem Rasen lag und darüber nachdachte, wie ich mir den Abend gestalten möchte, dachte ich auf einmal: ich will Gitarre spielen. Also ging ich nach der Arbeit zu Just Music in die Gitarrenabteilung und fühlte mich sofort überfordert. Ein freundlicher Mitarbeiter erlöste mich dann mit der Frage: Kann ich Ihnen helfen? Ich sagte, dass ich eine Gitarre will, um darauf die paar Akkorde zu klimpern, die ich beherrsche und dazu zu singen und natürlich müsse das Preis-Leistungsverhältnis stimmen, aber ich hätte nur wenig Geld. Als erstes sollte ich mich zwischen Nylon- und Stahlsaiten entscheiden und da sagte ich aus dem Bauch heraus Stahl, was mir meine Fingerkuppen bis heute nicht verzeihen (aber der Klang ist wirklich schön). Dann meinte er, ich soll einfach mit der billigsten beginnen und die dann der Reihe nach in die Hand nehmen und etwas darauf spielen, dann würde ich schon eine finden. Das leuchtete mir ein und ich begann. Die dritte war es dann und hey, es ist wie beim Schuhe kaufen: man spürt sofort, ob es das richtige ist, wenn man ihn anzieht. Und ich bin sehr froh, dass es gleich die dritte war, den der Preis ging ja dabei aufwärts! Nun klimpere ich seitdem so oft ich kann und schreib Lieder und singe.

Nachdem ich mich dann vom extrasüßem Kater verabschiedet hatte, ging ich los und machte mich auf den Weg zum Südkreuz.

Und nachdem ich nun schon so viel über den veganen Burger von McDonalds gehört hatte, dachte ich mir ein Samstagsfrühstück im Zug ist genau der richtige Moment, um ihn zu testen.

Er schmeckt ganz gut – ist mein Urteil. Es ist halt sofort der McDonalds-Geruch und -geschmack da. Und dann bleibt natürlich die Frage, ob McDonalds der Laden ist, – vegan hin oder her – in dem man was kaufen sollte … Und mir wurde klar, dass ich mir mal so einen Kaffeebecher besorgen sollte! Bei der Menge an Kaffee, die ich inzwischen unterwegs konsumieren, ergibt das echt Sinn.

Der Rest der Fahrt verging mit der Arbeit an einem Blogpost und dem Hören der von mir neu entdeckten (bzw. empfohlen bekommenen) Band The Naked and Famous.

Ich hab meine Liebe zum Zugfahren wieder entdeckt. Früher bin ich so oft gefahren und das waren so schöne Momente. Irgendwie ist man ja zwischendrin – nicht hier, nicht dort. Es entsteht ein Freiraum und ein Moment im Augenblick. In den letzten Jahren habe ich mir irgendwie eingeredet, dass Zugfahren stressig ist: lange Wartezeiten, zu viele Menschen etc.. Aber das ist es für mich gar nicht! Das Warten ist kein Warten und die Menschen sind halt da, so wie ich auch da bin. Daher fahre ich jetzt wieder öfter Zug und genieß es sehr!

Aber auch diese Zugfahrt endete dann und ich stieg in einen kleinen Bus um. Dieser Moment, wenn ich aus dem Bahnhof komme und im Vergleich zu Berlin im völligen Nichts stehe und dann auch noch dieser Bus ankommt, der nicht größer als ein Transporter ist: in diesem Moment fühle ich mich genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort und bin sehr glücklich.

Wenn man in so einem kleinen Bus sitzt, ist man den anderen Fahrgästen auch viel näher. Ich hatte eine nette Begegnung mit einer alten Dame, der ich half, ihr Kleingeld aufzusammeln. Als das getan war und wir wieder schwiegen, dachte ich über ihren Akzent nach und woher der wohl stammt. Früher hätte ich mich nie gewagt, sie einfach zu fragen. Jetzt hab ich es gemacht. Sie war zwar kurz irritiert, warum ich das wissen will, aber als ich sagte, dass er sich so schön anhört und es mich interessierte, sagte sie es mir freundlich. Warum hatte ich früher nur immer so viel Angst vor Kontakten mit anderen Menschen?

Schließlich kam ich am Ziel an. Ich stellte nur kurz meine Sachen ab, spielte eine Runde auf der Gitarre, packte mir Brote ein und zog los. Ich wollte einmal um den See herum. Und das machte ich auch. Fünfeinhalb Stunden brauchte ich und war am Ende ziemlich fertig. Aber es waren so schöne Momente und Bilder, die ich jetzt in mir trage! Hier mal ein paar Eindrücke:

Das Wetter war einfach perfekt. Warm aber mit etwas Wind und überall hingen die Spinnweben in der Luft und der Wald war kurz davor, in den Herbst einzutauchen – ein richtiger Altweibersommertag eben!

Über fünf Stunden ist ja schon etwas Zeit und sehr oft ging ich in Gedanken den Weg entlang. Ich dachte an Vergangenes oder malte mir Dinge in der Zukunft aus. Aber immer wieder versuchte ich, meine Gedanken schweigen zu lassen und einfach da zu sein und zu gehen. Das waren die schönsten Momente! Ich spürte den Wind auf der Haut, wie mir warm ist aber meine Arme zugleich ganz kühl waren, ich spürte die Leichtigkeit, mit der ich gehe (also am Ende dann nicht mehr) und roch den Wald, hörte ihn und auch das Wasser, die Vögel, das Rascheln der Mäuse. Dadurch das ich so gegenwärtig war, konnte ich sogar ein Mäuschen eine zeitlang beobachten, denn genau im richtigen Moment hielt ich inne und war still, so dass sie ihren Rückzug ins Mäuseloch abbrach und weiter machte mit ihrem Mäusedasein. Während ich in Gedanken versunken, den Vorbeikommenden nur ein kurzen Nicken zuwarf, muss ich, als ich wach durch den Wald ging, anders gewirkt haben, denn es gab das eine oder andere kurze Gespräch. Nichts Besonderes, aber doch Wertvolles für mich, da es neu ist und Offenheit ermöglicht, wo früher Abgrenzung war.

Völlig fertig, aber mit einem neuen Lied im Kopf kam ich dann wieder an. Zu Wein und Nudeln schrieb ich dann an dem Liedchen herum, schaute später Game of Thrones im Fernsehen und schlief schließlich irgendwann ein.

Am nächsten Tag ging es zurück in die Stadt und ich bin immer wieder erstaunt über die ganz banale Tatsache, wie anderes es hier aussieht als in der Natur.

Früher dachte ich immer, Berlin ist meine Heimat, der Ort, an den ich gehöre. Jetzt spüre ich aber ganz klar, dass die Momente in der Natur schon immer die waren, in denen ich mich am friedvollsten fühlte. Und vielleicht hat es mit dem Älterwerden zu tun, aber friedvolle Momente empfinde ich zur Zeit als sehr erstrebenswert.

Andere Flogs, die es schon gab:


2 Gedanken zu “Ein Tag im September

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